TAG ACHT. 

Im Garten mit
Steffi und Lisa.

Ihr Lieben, stellt euch doch einmal kurz selber vor. Was bedeutet es für euch naturnah zu Leben?

Im Einklang der Jahreszeiten zu leben heißt für uns, dass im besten Fall vor der Haustür geerntet wird und das Geerntete direkt auf den Tisch kommt. Also alles, was mit eigenen Händen im Garten oder im Gewächshaus angebaut wurde, die Eier, die uns unsere Hühner täglich schenken oder was man im Wald oder den Wiesen wild sammeln kann. Um die Lebensmittel in unserem Küchengarten anzubauen & weiter zu verarbeiten, beschäftgen wir uns mit nachhaltigen Methoden wie dem Haltbarmachen. Das halten wir auf unserem Blog www.farmmade.de und in unserem neuen Buch “Farmmade: Rezepte & Geschichten vom Leben auf dem Land” zum Beispiel auch fest.

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LISA & STEFFI

Das klingt schön! Dann lasst uns doch direkt starten mit der digitalen Gartentour. Welchen Teil eures Gartens mögt ihr den am liebsten?

Am liebsten sitzen und kochen wir abends an der Feuerschale mitten im Garten direkt zwischen den Hochbeeten. Das könnte man auch als unser verlängertes Wohnzimmer bezeichnen. Im Sommer ist es dort wie in einem kleinen Versteck. Die Beerenhecken zu beiden Seiten sind ein toller Blickschutz. Der riesige Walnussbaum wirkt wie ein natürlicher Sonnenschirm an heißen Tagen und spendet Schatten. Zwischen den kleinen Apfelbäumen spannen wir eine Lichtergirlande. In einer Ecke steht der Esstisch fürs Freiluft-Dinner und wer's doch noch gemütlicher mag wechselt einfach in den Liegestuhl.In der Obstwiese unter den Apfelbäumen lässt es sich gut aushalten. Besonders bei voller Apfelblüte ist es besonders hübsch dort zu sitzen.

LIEBLINGSORT

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Aufgeräumte Ecken mit Hochbeeten und Wilde Ecken wechseln sich im Garten ab.

Wir lieben euren wunderschönen Garten. Führt uns doch bitte einmal etwas herum!

Unser Garten ist ein naturnaher Bauerngarten. Ein traditioneller Bauerngarten lieferte schon immer sowohl Nutzpflanzen zum Essen, Heilpflanzen und Blumenschmuck. Abwechslung & Vielfalt ist hier auf jeden Fall erwünscht.

Hier wächst alles, was wir für die eigene Versorgung in unserer Küche brauchen: Gemüse, Kräuter zum Würzen, Nüsse, Beeren & Obst aus der kleinen Streuobstwiese. Reine Zierpflanzen findet man in unserem Garten kaum, dafür aber Blumen, die man essen, als Heilpflanzen verwenden kann und die sich als unkomplizierter Blumenschmuck für den Tisch verwenden lassen.

Wir achten darauf, dass nicht nur wir vom Garten profitieren, sondern auch Kleintiere wie Igel, Vögel, Bienen und Insekten in ihm einen Lebensraum und Nahrung finden. Deshalb gibt es neben tier- & insektenfreundlichen Nutzpflanzen “wilde Ecken” im Garten z.B. mit einer Totholzhecke. Bienen, Raupen oder Schmetterlinge brauchen bestimmte Blüten & Pflanzen, um überleben zu können.Und daher bekommt bei uns auch die Brennnessel eine Chance. Auch weil sie für uns ein nützlicher Helfer zum Düngen unserer Starkzehrer ist. Kunstdünger oder Chemie hat nichts bei uns im Garten zu suchen! Im Video zeigen wir euch einen Eindruck von unserem Garten. 

Unser Motto: Let’s go wild! Wir finden ein Garten muss nicht überall aufgeräumt sein. Sind wir doch mal ehrlich, in den meisten Gärten sieht es ziemlich trostlos aus.

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TOTHOLZ UND STRÄUCHER

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Habt ihr eine Inspiration für eine wilde Gartenecke für uns? Wie geht ihr mit Wildkräutern im Garten um?

Unser Motto: Let’s go wild! Wir finden ein Garten muss nicht überall aufgeräumt sein. Sind wir doch mal ehrlich, in den meisten Gärten sieht es ziemlich trostlos aus.

"Golfrasen", Goldfischteiche, Thuja Hecke, Kirschlorbeer, rindengemulchte Staudenbeete ,Kieselgärten mit nicht einheimischen standortfremden Zierpflanzen sind pflegeaufwendig,energieintensiv und was am schlimmsten ist: Lebensfeindlich für die heimische Tierwelt.Hier finden Insekten, Bienen, Vögel und andere Kleintiere keine Rückzugsmöglichkeiten zum Überwintern oder zur Fortpflanzung und schon gar keine Nahrung.Bienen,Raupen und Schmetterlinge brauchen einfach bestimmte Blüten, um überleben zu können. Doch in den meisten Gärten finden sie diese kaum noch. 

Umso wichtiger ist es, dass wir alle mithelfen, naturnahe Räume zu schaffen und zu erhalten. Heimische Tiere und Insekten brauchen wilde Ecken, Verstecke, Futter und Nistplätze, um zu überleben. Lass der Natur am besten auch ein bisschen Platz. Schaffe wilde Ecken als Rückzugsort für Tiere und Insekten.Lasse einen Bereich im Garten wild - der Boden wird es dir danken. Hier kannst du altes Holz, Schnittgut und Äste liegen lassen, um alles wuchern zu lassen. Auch ein Insektenhotel ist eine gute Idee. Bei uns ist das eine ruhige Ecke im hinteren Garten, die im Schatten liegt und wo man sowieso nicht wirklich etwas anbauen kann. Letzten Herbst haben wir dort eine Igelfamilie gesichtet, die sich sichtlich wohl fühlt.

 

Wildkräuter sind in unserem Garten immer herzlich willkommen. Das Wort Unkraut mögen wir ehrlich gesagt gar nicht verwenden. Für uns hat jede Pflanze seinen Sinn und Berechtigung. Die Brennnessel zum Beispiel ist für uns kein Unkraut, sondern ein Superfood. Deshalb setzen wir sie in unserer Küche, aber auch in unserem Garten ein. Generell werden die Wirkung und Einsatzmöglichkeiten der Brennnessel oft noch unterschätzt. Egal ob Blätter, Samenstände, Stängel oder Wurzel: in jedem einzelnen Bestandteil stecken viele nützliche Inhaltsstoffe, die man sich in der Küche, der Hausapotheke für sich oder im Garten für Pflanzen & Tiere zu Nutzen machen kann.

Es gibt nicht zu Unrecht ganze Abhandlungen, die sich seitenweise nur mit diesem Thema beschäftigen. Damit immer genug unbelasteter Nachschub zur Verfügung steht, haben wir sogar schon versucht, die Brennnessel gezielt im Garten anzubauen. Da hätte unser Opa wohl nur mit dem Kopf geschüttelt und uns für verrückt erklärt :) Und obwohl es sich dabei eigentlich um eine unverwüstliche Pflanze handelt, ist uns das nicht geglückt. Seitdem lassen wir der Natur in unserem Garten etwas mehr Freiraum und der Brennnessel ihre Ecken, in der sie ungestört wuchern kann.Auch beim Giersch ist unser Motto:”Don't try to fight it, eat it!”

Wie viel Zeit sollte man so einplanen, um seinen Garten zu pflegen? Wie bringt ihr euren Garten im normalen Alltag unter?

Das kommt immer ganz darauf an in welcher Saison wir uns befinden. Durch den Garten leben und arbeiten wir im Rhythmus der Jahreszeiten.

Im Winter gibt es vielleicht außer der Gartenplanung für das nächste Jahr nicht viel zu tun, da ruhen wir wie unser Garten. Diese Zeit nutzen wir, um unsere Akkus wieder aufzutanken und neue Ideen zu sammeln & zu entwickeln.

Im Frühjahr nimmt der Arbeitsaufwand langsam an Fahrt auf. Da ziehen wir die ersten Pflanzen im Haus an, bereiten die Beete auf oder schneiden Obstbäume und -sträucher.Im Frühling investieren wir meistens ein paar Wochenenden, weil es gemeinsam einfach schneller geht. Die Pflänzchen im Haus kann man so “nebenbei” ganz gut beobachten und pflegen.
 

Der Sommer ist am arbeitsintensivsten und es herrscht Hochbetrieb im Garten. Da ist man allein mit Gießen locker 1-2 Stunden täglich beschäftigt. Hinzu kommt das Schnecken absammeln, Beetpflege und natürlich das Ernten und Verarbeiten des Gemüses. Das benötigt auf jeden Fall genug Zeit oder helfende Hände. 

Denn vor lauter Pflegen & Hegen wird der Punkt oft übersehen und plötzlich ist alles gleichzeitig und in großen Mengen reif.

Im Herbst wird es dann wieder ruhiger und die arbeitsintensiven Tage nehmen spätestens nach der Apfelernte ab.

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GEMEINSAM GEHT DAS ERNTEN VIEL SCHNELLER.

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Welche Anfängerfehler in der Gartenpflege lassen sich gut vermeiden? Wie lauten eure besten Tipps zum Einstieg?

  1. Lass dich nicht abschrecken und fang einfach an. Im Garten ist noch niemand als Profi vom Himmel gefallen und selbst vermeintliche “Profis” lernen immer noch mit jeder Saison dazu. Wichtig ist, dass du einen Weg für dich findest wie es dir Spaß macht und du das Gärtnern (zeitlich) in deinem Alltag unterbekommst.
     

  2. Übernimm dich nicht und starte erstmal mit einfachen “gelingsicheren” Sorten wie Tomaten, Kräutern, Salat, Mangold oder Radieschen. Du musst deine Pflänzchen noch nicht direkt vom Samen großziehen. In Gärtnereien, Märkten, von Freunden oder über Kleinanzeigen kommt man auch als Anfänger entspannt an qualitativ gute & gesunde Pflänzchen und kann sich nebenbei gleich Tipps abholen.
     

  3. Weniger ist mehr: bedenke, dass die Pflanzen noch wachsen und mehr Raum einnehmen werden im Laufe des Sommers. Gerade Kräuter können ganz schön wuchern. Deshalb achte auf Pflanzabstände, die einzelne Pflanzen brauchen, um sich gut zu entfalten. Lass dich im Frühjahr nicht von den vielen Lücken im vermeintlich “leeren” Beet täuschen.
     

  4. Lage, Lage, Lage: das gilt auch im Gemüsebeet. Achte beim Pflanzen auf die Bedürfnisse deiner Pflanzen. Ein richtig gewählter Standort (und Pflanzen-Nachbarn) ist quasi schon die halbe Miete. Tomaten mögen es warm, vertragen aber keine pralle Sonne und neigen schnell zu “Sonnenbrand”, aber auch direkter Regen ist zu vermeiden. Hier eignet sich ein (halb-)-schattiger, geschützter Platz z.B. an der überdachten Hauswand. Es gibt aber auch extra Freilandsorten, die weniger empfindlich sind. Als Starkzehrer sind Tomaten sehr hungrig und benötigen zudem sehr viele Nährstoffe. Nach einer Saison ist der Boden deshalb sehr ausgelaugt.
     

  5. Hast du nur einen geeigneten Standort für deine Starkzehrer zur Verfügung, empfehlen wir dir neben regelmäßiger Zugabe von organischem Langzeitdünger (Brennnesseljauche, Hornspäne oder Schafwolle) das Aufarbeiten des Beetes mit Pferdemist oder der Aussaat einer Zwischenfrucht ( Phacelia “Bienenfreund”), um den Boden so wieder zu durchlüften und beim Humusaufbau beizutragen.

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Welche Gemüsesorten können wir im Beet besonders gut kombinieren?

Welches Gemüse ist leicht und gut für den Start?

Neben der bereits genannten einfachen und “gelingsicheren” Gemüsesorten (Tomaten, Mangold,Radieschen) empfehlen wir heimische, mehrjährige Sorten zu Pflanzen: Beerensträucher und Rhabarber sind total pflegeleicht & unkompliziert. Bei Kräuter sind es Rosmarin, Liebstöckel, Schnittlauch, Bohnenkraut, Minze & Zitronenmelisse

Was ist der Vorteil von alten Obst- und Gemüsesorten? Wo bekommen wir die am besten her?

Alte Sorten haben es uns schon lange angetan. Nicht nur wegen den unterschiedlichen Farben und Formen, sondern auch wegen Textur und Geschmack. Jede Sorte hat ihre Eigenheit und so bekommt garantiert jedes Gericht sofort eine ganz besondere Note.
 

Der Beitrag zu Artenvielfalt und Diversität ist uns ein großes Anliegen. Entscheidet man sich für alte Sorten, trägt man dadurch ein Stück zur Biodiversität und Artenschutz bei, da viele Tiere davon profitieren wie z.B. auf (alten) Streuobstwiesen. Alte Sorten sind manchmal vielleicht nicht so ertragreich oder lassen sich nicht so bequem ernten wie ihre hochgezüchteten Verwandten. Aber oft sind sie widerstandsfähiger gegenüber Schädlingen und Krankheiten und je nach Sorte auf die unterschiedlichen Anforderungen des Bodens angepasst.

Durch das Sammeln und die Weitergabe von Saatgut sichert man hier eine wichtige

genetische Ressource. EU-Vorschriften machten Sortenzulassungsverfahren extrem kompliziert und teuer, weswegen es für konventionelle Züchter oft nicht rentabel ist die alten Sorten zu erhalten.

Umso wichtiger ist der Erhalt & Austausch in privaten Kleingärten oder durch Saatgut-Tauschbörsen. So haben wir einen Grundstock unserer Samen aufbauen können. Auf Bauernmärkten oder direkt ab Hof kommt man oft an alte interessante Sorten und kann sich z.B. von reifen Tomaten ein paar Samen zurückhalten und im nächsten Jahr selbst Pflänzchen davon groß ziehen.

Die "richtigen" Beet-Nachbarn unterstützen sich gegenseitig im Wachstum oder beim

Vertreiben von Schädlingen. Bei der Auswahl der Nachbarn ist es wie im richtigen Leben. Nicht alle vertragen sich, aber stimmt die Chemie, gibt es sogar oft unerwartet Hilfe z.B. beim Vertreiben von Schädlingen durch die ätherischen Öle in manchen Kräutern.

Kräuter sind nicht nur geschmacklich perfekter Begleiter: Kohlfliegen mögen keinen Rosmarin, Salbei und Lavendel.Basilikum neben Tomaten gesetzt vertreibt Stechmücken und Fliegen und beugt Mehltau auf Zucchini oder Gurkengewächsen vor. Knoblauch, Zwiebel oder Schnittlauch vertreiben Milben & Blattläuse.

Schnecken mögen keine Tagetes (Studentenblume) oder Storchschnabel. Spinat verträgt sich mit den meisten Gemüsepartnern und wirkt sich positiv auf den Boden aus. Kapuzinerkresse vertreibt Läuse von Bohnen und Obst. Borretsch lockt Bienen an und versorgt Erdbeere, Kohl, Salat, Gurke und Zucchini mit wachstumsfördernden Saponinen.

 

Eng zwischen die Reihen gepflanzt, helfen Mischkulturen mit wechselnder Fruchtfolge bei Obst und Gemüse, damit weniger Un- bzw. Beikraut wächst. Manche Bodendecker helfen zusätzlich die Feuchtigkeit im Boden zu halten oder durch ihre Wurzeln zu durchlüften.

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Wie pflegen wir unsere Gemüse-Setzlinge richtig?

Für die Anzucht (im März) verwenden wir spezielle Anzuchterde, die möglichst keimfrei und ohne zusätzlichen Dünger ist, sodass die Samen idealen Nährboden zum Keimen bekommen. Mit Kompost würde man hier die Anzucht direkt überdüngen.
 

Man sollte sich vorab informieren, unter welchen Bedingungen die jeweilige Saat am besten keimt. Tomaten sind Lichtkeimer und sollten nicht zu sehr mit Erde bedeckt werden. Gleichzeitig darf die Erde nicht austrocknen oder im anderen Extrem “schwimmen”. Haben sich nach 3-4 Wochen die ersten Keimblätter voll ausgebildet, dann ist es Zeit fürs Pikieren. Das heißt die Pflänzchen werden vereinzelt und wandern in größere Töpfe mit frischer Erde. Jetzt gut angießen und regelmäßiges Feuchthalten der Erde nicht vergessen. Lassen es die Temperaturen zu, beginnen wir Ende April mit der Vorbereitung fürs Auspflanzen im Freiland, indem wir die Pflänzchen täglich für ein paar Stunden den reellen Umwelteinflüssen wie UV-/Sonnenstrahlung und Wind aussetzen, um sie so langsam widerstandsfähiger zu machen. Nach diesem “Abhärten” geht es dann meistens Mitte Mai ins Freiland (bzw. ins Gewächshaus schon etwas früher).
 

Beim Einpflanzen darauf achten, dass genug Abstand zwischen den einzelnen Pflanzen ist. Diese wachsen ja noch und danken euch, wenn sie Luft zum Atmen und Ausstrecken bekommen.

Habt ihr einen Tipp für ein natürliches Düngemittel oder Pflanzenschutzmittel?

Wir sind keine Fans von Chemie im Garten. Deswegen achten wir bereits vor dem Pflanzen auf einen gesunden und mit Nährstoffen angereicherten Boden. Das wird vor allem dann interessant, wenn man sich zum ersten Mal mit Starkzehrern wie Tomaten, Gurken oder Rhabarber und deren Standort- und Pflegebedürfnissen beschäftigt. Starkzehrer benötigen besonders viel Stickstoff in der Entwicklungsphase, der ihnen dadurch zu reichlich Wachstum und einer kräftigen Färbung verhilft.

Aus diesem Grund wechseln wir die Standorte unserer Starkzehrer nach jeder Saison und pflanzen an dieser Stelle gern Zwischenfrüchte wie Erbsen, die den Boden wieder durchlüften & mit Stickstoff anreichern. Zusätzliche (künstliche) Stickstoffdüngung ist somit überflüssig. Da wir an der Quelle sitzen, ist Pferde- oder Hühnermist (nicht frisch, sondern schon etwas

abgelagert) die erste Wahl. Wir arbeiten ihn meistens schon im Herbst in die abgeernteten Beete ein und geben dem Boden so die nötige Zeit sich wieder zu erholen (von den Starkzehrern wie der Tomate oder Gurke). Alternativ eignet sich natürlich auch gehaltvoller Kompost zum einarbeiten.

Wer keinen Kompost oder Mist zur Verfügung hat oder nutzen mag, kann auf anderen organischen Langzeitdünger wie Hornspäne oder Schafwolle zurückgreifen. Durch

sogenannte “grüne Zwischenfrüchte”, also Anpflanzungen in Fruchtfolge zwischen zwei Pflanzperioden, kann man dem Boden wieder Energie zurückführen. Das können Erbsen oder Senfsaaten sein, aber auch Klee oder Phacelia (Bienenfreund), welche nach der Blüte in den Boden eingearbeitet werden und so zum Humusaufbau beitragen.

Unter dem Jahr setzen wir regelmäßig Brennnesseljauche an. Im Garten zeigt uns die Brennnessel primär die Standorte, die mit einem hohen Stickstoffgehalt ausgestattet sind.Darüber hinaus verwöhnen wir unsere Tomatenpflanzen (sobald sie etwas größer sind) im Sommer regelmäßig mit einer verdünnten Ration selbst gemachter Brennnesseljauche. Und das geht so:

 

Hierzu ernten wir meistens einen Trog voll Brennnesseln und setzen diesen für ein paar Tage mit

kaltem Wasser an und rühren diesen Sud 1x täglich um. Sobald der namensgebende Geruch entsteht, ist die Jauche fertig und kann im Verhältnis 1:10 verdünnt zum Gießen verwendet werden. Wichtig: nur die Wurzeln gießen, da der Sud sonst die empfindlichen Blätter verbrennt. Frisch aufgebrühte Brennnesselblätter sind übrigens ein gutes Mittel gegen Schädlinge wie Milben & Läuse.

 

Zero Waste im Küchengarten und Düngen mit Kaffeesatz funktioniert auch super:

Wer gerne Kaffee trinkt, kann seinen Kaffeesatz zwischen die Beete streuen und so etwas Stickstoff, Phosphor und Kalium zurück ins Erdreich führen und nebenbei noch Schädlinge wie die Trauermücke vertreiben.
 

Mulchen: Etwas trockener Grasschnitt (ca. 2-3 cm) verteilt auf die Beete wirkt zusätzlich gegen das Verdunsten von Feuchtigkeit im Boden und trägt zu einem hervorragenden Klima für wichtige Boden-Mikroorganismen bei.
 

Natürlich ist jeder Gartenboden anders beschaffen. Wir haben bisher gute Erfahrungen mit den uns überlieferten Standorten, Gemüsesorten und der natürlichen Bodenpflege für unseren eigenen Garten gemacht und setzen deshalb auf gesundes Augenmaß. Um den Boden nicht zu sehr mit Stickstoff zu überfrachten & auf Nummer sicherzugehen, kann man eine Bodenprobe entnehmen und analysieren lassen.

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KAFFEESATZ IM BEET

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Wie verarbeitet ihr am liebsten eure Ernte, um sie haltbar zu machen? 

Wenn man selbst erfährt wie viel Arbeit im Garten steckt bis man ernten kann, bringt man

Lebensmitteln automatisch mehr Respekt entgegen, verwertet alles nachhaltiger und vermeidet es Essen wegzuschmeißen. Man beschäftigt sich damit, wie man die verschiedenen Geschmäcker für den Winter konservieren kann. Wir wenden eigentlich alle Methoden des traditionellen Haltbarmachens an, um für den Winter unsere Speisekammer aufzufüllen: Trocknen, Einlegen, Einkochen und Fermentieren!
 

Zum Beispiel trocknen wir Gemüse zu Chips, Kräuter zum Würzen und für Tees. Essbare Blüten eignen sich getrocknet wunderbar zum Dekorieren für Kuchen oder Drinks. Zwetschgen und Beerenobst, das nicht gleich eingelegt oder zu Marmelade verarbeitet wird, wird eingefroren. So gibt's auch im Winter Brombeeren, Erdbeeren, Himbeeren etc. aus unserem Garten. Fermentiertes, eingekochtes oder eingelegtes gibt vielen Gerichten nochmal so eine richtige Geschmacksexplosion! 

Oft kannst du sogar alles von einer Pflanze verwendet werden. Auch Blätter und Stängel sind häufig essbar. So zum Beispiel beim Mangold. Aus den Mangoldblättern machen wir gerne Kimchi und die Stiele legen wir süß-sauer in Essig ein. Das schmeckt unglaublich lecker zu gebackenen Käse oder zu Fleisch.In unserem zweiten Video kannst du sehen wie es funktioniert.

Zutaten:

 

Mangoldstiele

2 TL Salz

180 g Rohrzucker

90 ml Weißweinessig (wir verwenden den milderen Balsamico Essig)

280 ml Wasser

1-2 Lorbeerblätter

½ TL schwarze Pfefferkörner

 

Zubereitung:

Mangoldstiele in gleiche Stücke schneiden, sodass sie die richtige Länge für deine Gläser haben. Blattreste ggf abschneiden. Ist aber nicht unbedingt nötig. In der Zwischenzeit Wasser, Essig, Salz & Zucker in einem kleinen Topf kurz unter ständigem Rühren aufkochen lassen bis sich alles gelöst hat.

Sobald der Sud etwas abgekühlt ist, verteilt man die Mangoldstiele auf 2- 3 sterile Einmachgläser und gibt die Essig-Zucker-Lösung gleichmäßig darüber. Die Gläser nun fest verschließen und mindestens 3 Tage an einem kühlen Ort ziehen lassen. Danach sind die eingelegten Mangoldstiele mindestens 6 Monate haltbar (auch im geöffneten Glas) – sofern sie nicht vorher aufgegessen wurden.

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Verratet ihr uns zum Schluss noch eines eurer liebsten Rezepte?

Puhhh, es ist echt schwierig sich auf eins zu begrenzen! Wir haben so viele Lieblingsrezepte. Deshalb hier mal eins unserer absoluten Favoriten: Brennnessel-Pesto. Es ist schnell zubereitet und eignet sich hervorragend, um es für ein paar Tage haltbar zu machen. Ein schnelles gesundes Pesto zu Nudeln, Kartoffeln oder zu Ofengemüse aus dem Garten schmeckt herrlich!

 

Brennnessel Pesto

 

Zutaten:

 

● 2-3 handvoll junge Brennnesselblätter

● 2-3 Knoblauchzehen

● Saft einer halben Zitrone

● 50 g Bergkäse, gerieben (der darf gern schon etwas härter sein)

● 50 g Walnüsse

● 100 ml Sonnenblumenöl

● etwas Salz nach Belieben

 

Zubereitung:

 

Die Brennnesselblätter kurz in warmes Wasser legen, damit sie nicht mehr brennen. Zusammen mit den restlichen Zutaten in einen Mixer geben und zerkleinern. Ist die Masse noch zu zäh, kann noch etwas mehr Öl hinzugefügt werden, bis das Pesto die gewünschte Konsistenz hat. Wer möchte, kann das Pesto noch nach Belieben mit Salz abschmecken. In ein sauberes Glas abgefüllt, hält es sich bis zu einer Woche im Kühlschrank .

Vielen lieben Dank Steffi und Lisa für die wunderbaren Bilder, euer Interview und die Videos. Es hat sich angefühlt wie ein Plausch unter eurem Walnussbaum. Wer noch mehr zum Thema “naturnaher Garten” erfahren möchte, kann mal auf dem tollen Blog der beiden vorbei schauen: www.farmmade.de

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BILDER & VIDEOS: FARMMADE